Rom 2009

1. Tag 2. & 3. Tag 4. Tag 5. Tag

Tag 4

Neuer Tag, neues Glück...
Da der Wetterbericht Sonnenschein voraus sagte, stellten wir uns den Wecker auf um 7. Der erste Blick nach dem Weckruf galt dann natürlich dem Himmel und die Vorhersage sollte Recht bekommen. Es war keine Wolke zu finden. Also schnell fertig machen, Essen und dann los. Die erste Ernüchterung kam an der U-Bahn Station. Wir waren leider nicht die einzigen die während der Rush-Hour in die City wollten. An der Station standen bestimmt mehrere 100 Leute und als die U-Bahn kam, guckte ich schon etwas dumm aus der Wäsche, denn die war auch schon mehr als überfüllt. Das Ergebnis war, dass nur wenige Leute sich noch in die Bahn quetschen konnten. Als wir uns auch nicht in den 3. überfüllten Zug zwängen konnten, sind wir erst mal 5 Stationen in die Gegenrichtung gefahren um dann wieder die Richtung zu wechseln. Endllich bekammen wir einen Stehplatz und die nächsten Minuten waren mehr als nur kuschelig. Fazit: unbedingt die Rush-Hour meiden!


Größere Kartenansicht

Petersplatz

Irgendwann haben wir dann endlich auch den Petersplatz erreicht.
Was für ein Anblick bei diesem Wetter. In der Mitte des Platzes angekommen, drehten wir uns nur im Kreis und bestaunten die 284 Säulen die in einer Ellipse in Vierereihen hintereinander um den Platz aufgestellt sind. Da fast 300 dorische Säulen natürlich viel zu billig wirken, befinden sich auf den Kollonaden weitere 144 Statuen. Außerdem befinden sich im Zentrum noch 2 große Brunnen und ein riesiger Obelisk der 1586 von fast 1000 Arbeitern und 75 Pferden aufgestellt wurde.

Was einem gar nicht auffällt, man ist sich ja in einem ganz anderen Land. Denn neben der Vatikanischen Mauer bildet die Ellipse des Petersplatzes die offizielle Staatsgrenze des 0,44km² großen Zwergenstaates.

Engelsburg

Nach ausgiebiger Bewunderung dieses opulenten Geländes schlenderten wir die Via della Conciliazione entlang zur Engelsburg. Diese wurde im Jahr 139 fertiggestellt und diente als Mausoleum für Kaiser Hadrian und seine Nachfolger. Im 6.Jh wurden dann umbauten zu einer Burg in im 15. Jh. zu einer Festung vorgenommen. Interessant ist, dass am Ende des 13. Jh. ein Geheimtunnel zwischen dem alten Vatikanspalast und der Engelsburg gegraben wurde. Er wurde auch mehrfach genutzt, unter anderem von Pius dem VII der vor Napoleon floh. Seit 1901 befindet sich ein Museum in dem alten Gemäuern.

Wir gehen weiter und überqueren die Engelsbrücke. Sie wurde 3 Jahre vor der Engelsburg fertiggestellt und stellte die direkteste Verbindung von der Innenstadt zum Vatikanspalast dar. Zeitweise konnte sie den Pendlerströmen nicht mehr standhalten und es wurden im schlimmstenfall sogar Leute zertrampelt. Im Mittelalter wurden hier Leute gehängt und deren Köpfe und Gliedmaßen aufgestellt. 1668 entwarf Bernini das Brückengeländer und stellte die 10 Engelsfiguren auf und verschaffte der Brücke endlich ein neuen und freundlichen Anblick.

Piazza Navona

Von der Engelsbrücke sind es nur ein paar Gehminuten bis zum Piazza Navona. Es soll der schönste und berühmteste barocke Platz in ganz Italien sein. In vielen Reiseführen wird von einem besonderen Flair gesprochen, welcher hier versprüht wird. Davon haben wir aufgrund der Temperaturen leider nicht viel gemerkt. Alle Cafés waren geschlossen und es gab keine Straßenkünstler zu bewundern. Auch der relativ öde Weihnachtsmarkt konnte dies natürlich nicht ausgleichen. Dennoch, die Häuserfonten sehen wirklich klasse aus und das Wetter tut sein übriges,... hier lässt's sich aushalten.

Seinen Ursprung hat die opulente Platzanlage 1. Jahrhundert. Kaiser Domitian baute hier ein Stadion. Auf den Tribünen hatten über 20000 Zuschauer Platz. Nach und nach wurden Häuser unter die Tribünen gebaut, bis letztendlich 1477 der Markt auf den Platz verlegt und 1485 gepflastert wurde. Bis jetzt war das Gelände jedoch recht unspektakulär. Erst Paps Innozenz X. ließ hier Mitte des 17. Jahrhunderts eine prachtvolle Kirche, Sant’Agnese in Agone, und den Palazzo Pamphilj errichten. Im Zentrum des Platzes, vor der Kirche, errichtete Bernini den Fontana dei Quattro Fiumi, den Vierflüssebrunnen. Er symbolisiert die damals vier bekannten Kontinente, welcher jeweils durch ein Fluss repräsentiert wird. Die Donau mit Papstwappen steht für Europa, der Ganges symbolisiert in Kombination mit einer Palme Asien, der Nil und ein Löwe stehen für Afrika und eine Schlange und der Rio de la Plata stellen Amerika dar. Auf der Nord- und Südseite befinden sich zwei weitere Brunnen, der Fontana del Moro und Fontana di Nettuno.

Piazza Rotonda

War der Platz an den Tagen zuvor noch wie leer gefegt, um so mehr versprüht er heute Leben. Viele Touristen aber auch Einheimische genießen das Wetter und besuchen das Pantheon. Auch die Cafés sind an der Piazza gut besucht. Im Zentrum des Platzes befindet sich übrigens ein hübscher Brunnen samt Obelisk.

Unser nächster Stopp war noch mal der Trevibrunnen, der bei strahlender Sonne um einiges schöner ist.

Trajansforum

Vom Trevibrunnen sind es nur 200m bis zum Palazzo Del Quirinale. Er wird umrahmt vom Quirinalspalast im Norden, der Sitz des Präsidenten ist. Auf der Ostseite befindet sich der Palazzo della Consulta, der Sitz des Verfassungsgerichtes. Auf dem Platz selbst steht der Fontana dei Dioscuri mit einem antiken Obelisk (Obelisco del Quirinale). Im Westen des Platzes grenzt eine Aussichtsterrasse, die einen Ausblick auf einen Teil Roms bietet.

Verlässt man den Platz Richtung Süden auf der Via XXIV Maggio und biegt am Kreisverkehr nach rechts ab kommt man nach wenigen Minuten zum Trajansforum. Wir gehen durch eine kleine Gasse und müssen eine Treppe hinab. Begrüßt werden wir von einer sehr photogenen Kirche. Als nächstes fällt uns gleich die Trajanssäule ins Auge. Die fast 40m hohe Säule steht immer noch wie vor 1800 Jahren an ihrer ursprünglichen Stelle. Man sieht deutlich, dass die Säule wesentlich tiefer als die normale Straßenebene steht. Mit den Jahrhunderten hat sich immer mehr Schutt, Gestein usw angesammelt, so dass das heutige Niveau einige Meter höher liegt. Auf der Säule befindet sich ein spiralförmiger Fries, der sich in 23 Windungen in 200m nach oben windet. Dargestellt werden Kriegszenen die mit über 2500 Figuren bebildert sind.

Die Trajanssäule ist übrigens der am besten erhaltene Überrest des Trajansforum. Aber auch die übrigen Ruinen sind wirklich noch gut erhalten. Das Trajansforum ist das letzte und größte der Kaiserforen. Es wurde zwischen dem Augustus- und Caesarforum errichtet. Hierfür wurde vorher jedoch extra ein Teil eines 30m hohen Hügels abgetragen. Um den Rest des Hügels zu stabilisieren, wurde das Forum halbkreisförmig an den Berg gebaut.

Vittoriano

Natürlich haben wir uns auch noch mal das Vittoriano am Piazza Venezia genau angeguckt. Also rauf auf die Hochzeitstorte. Oben kann man, wenn man möchte in einem Café sich die Aussicht noch etwas versüßen, oder einfach so den herrlichen Blick über die Stadt genießen. Auf der Rückseite gibt es dann noch einen weiteren Ausgang, der einen zum Kapitolsplatz bringt.

Der Piazza di Campidoglio bekam Mitte des 16. Jahrhunderts von Michelangelo sein heutiges Gesicht. Bereits im 13. Jahrhundert wurde der Senatorenpalast errichtet, in dem heute der römische Bürgermeister seinen Platz hat. Des weiteren umrahmen das Kapitolinische Museeum und der Palazzo Nouvo, die beide von Michelangelo entworfen, aber erst nach seinem Tod fertiggestellt wurden, die Piazza. Im Zentrum des Areals befindet sich eine Kopie der antiken Reiterstatue des Marc Aurel. Das Orginal befindet sich gleich nebenan im Kapitolinischen Museeum.

Forum Romanum

Wir verlassen den Piazza di Campidoglio auf der Rückseite Richtung Forum Romanum. Nach ein paar Treppenstufen kommen wir auf einen kleinen PLatz der direkt ans Forum grenzt. Begrüßt wurden wir von 2 antiken Römern die unbedingt mit uns ein Foto machen wollten. Zum Glück haben wir dankend abgelehnt. Eigentlich klar, dass die sich nicht umsonst so zum Affen machen. Eine Familie die nach uns kam hat fleißig Fotos geschossen und wollte im Anschluß gut gelaunt weiter gehen. Sie wurden dann aber noch mal von den Römer mit aufgehaltender Hand gebremst. Die Touris guckten etwas verwundert und ließen etwas Geld rüberwachsen, was aber anscheinend nicht genug war, denn die beiden Römer stichelten nach mehr Geld. Also immer zwei mal überlegen ob man unbedingt ein Foto mit zwei schlechten Schauspielern brauch. Wir jedensfalls nicht... Wir genossen einfach den herrlichen kostenlosen Blick auf das Forum. Leider gibt es hier keinen Eingang, so dass wir noch einmal außen am Forum vorbei müssen. Unterwegs kommen wir an den Resten des Ceasarforums vorbei, das 50 v. Chr. errichtet wurde. Um zum Eingang zu kommen müssen wir noch ein paar Meter weiter an der Via dei Fori Imperiali entlang spazieren. Hier können wir ein weiteres Mal ein Blick ins Forum werfen.


So jetzt aber rein. Wir betreten das Forum zwischen den Überresten der 179 v.Chr. errichteten Basilica Aemilia und dem Tempel des Antonius. Von der Basilica ist fast nichts mehr mehr zu erkennen. Anders ist es mit der Curia Iulia. Sie ist in der Antike zwei mal niedergebrannt und wurde zuletzt 303 n.Chr. wieder aufgebaut. Hier war der römische Senat untergebracht. Im 6. Jahrhundert wurde die Curia durch die Kirche zur Santi Luca e Martina geweiht, was ihren guten Zustand erklärt. Als nächstes stehen wir vor dem Triumphbogen Septimius Severus. Der Bogen wurde zu Ehren des römischen Kaisers Septimius Severus im Jahr 203 n. Chr. errichtet, um an die Siege gegen die Parther zu erinnern. Auf dem Rückweg kommen wir an den Ruinen des 484 v.Chr. errichteten Dioskurentempels vorbei. Die 3 noch erhaltenen Säulen sind das Wahrzeichen des Forums. Ein paar Meter weiter befindet sich der im 4. Jahrhundert gebaute Tempel des Romulus.


Jetzt gehts rauf auf den Palatin. Hier wurde die ewige Stadt 1000 v.Chr. gegründet. Mit der Zeit wurde es mehr und mehr zu einer bevorzugten Wohngegend für reiche und wohlhabende Römer. Ab dem 3. Jahrhundert v.Chr. begann man dann auf dem Palatin zahlreiche Tempel zu errichten, so dass er weiter an Bedeutung gewann. Kaiser Augustus baute auf dem Hügel schließlich als erster der großen Herrscher hier seinen Palast und viele weitere folgten. Der Großteil der Tempel ist heute nicht mehr erhalten oder deren Überreste werden von den Farnesischen Gärten überdeckt, welche aber auch eine Attraktion für sich sind. Die vielen Orangenbäume und Palmen erzeugten trotz der kalten Temperaturen ein wirklich sommerliches und mediteranes Flair. Auf keinen Fall sollte man sich die Aussicht auf das Forum und das Kolosseum von hier oben entgehen lassen. Im Anschluss haben wir das Forum Richtung Kolosseum verlassen. Kurz vor dem Ausgang durchqueren wir noch den Titusbogen. Er wurde Titus 70 n.Chr. für dessen Sieg gegen die Juden in Jerusalem gestiftet.

Kolosseum

Auf der Via Sacra nähern wir uns dem Kolosseum und endlich präsentiert es sich bei schönstem Wetter von seiner besten Seite. Bevor wir einen Blick ins innere werfen umrunden wir das antike Prachtstück. Mit 156m Breite und 188m Länge ergibt sich eine Ellipse mit 527m Umfang. Ich hatte es mir bei weitem nicht so groß vorgestellt, um so mehr war ich überrascht wie lang die Umrundung dauerte. Vor dem Eingang haben wir dann auch wieder ein paar "Gladiatoren" gesehen, die Touristen um ihr Geld brachten.

Im Inneren erwartete uns eine riesige Arena, die bis zu 60000 Zuschauern einen Platz bot. Echt wahnsinn wie im 1. Jahrhundert solch ein Stadion errichtet werden konnte. Leider ist nicht mehr viel von den Tribünen übrig geblieben. Zum Großteil ist nur noch das tragende Sklett vorhanden. Beeindruckend fand ich die Unterkellerung des Bodens. Hier befanden sich die Käfige für die Tiere oder auch die Vorbereitungsräume der Gladiatoren. Ein weiteres architektonisches Highlight war das riesige Sonnensegel, was bei starker Sonneneinstrahlung über das Kolosseum gespannt werden konnte.

Die Arena war in seiner Geschichte über 400 Jahre nahezu ununterbrochen in Benutzung und so fanden 523 die letzten Spiele statt. In der Folgezeit wurde es stark von Erdbeben beschädigt. Wer sich fragt warum das Kolosseum so angeknabbert aussieht, hier war unter anderem mal wieder die Kirche am Werk, die sich an den Steinen bedient hat.

Direkt vor dem Kolosseum steht übrigens der Konstantinbogen der 315 n.Chr. geweiht wurde. Auch er wurde wie üblich einen erfolgreichen "Kriegsfürsten", Konstantin, gewidmet.

Am letzten Tag haben wir uns noch mal Rom von oben angeguckt.